Frauenreise
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Ein ForschungsberichtDer Maskentanz![]() Bald wird der volle Mond hinter den Bergen aufgehen. Julies große Trommel dröhnt mit ihrem dunklen Ton, gibt die Basis auf der wir uns mit dem Rhythmen und Tönen bewegen. 13 Personen aus Deutschland, Österreich und den USA haben sich hier in Cuyamungue nördlich von Santa Fe / USA, getroffen, um einen rituellen Maskentanz miteinander zu gestalten. Die Masken der Tiergeister sind geformt, die Kostüme im Entstehen. Die Mondkraft ist eingeladen, bei der Vollendung der Masken mitzuwirken. In Cuyamungue ist das Institut für Ekstatische Trance und Rituelle Körperhaltungen. Jeden Morgen stehen wir vor Sonnenaufgang auf, besteigen einen kleinen Hügel und begrüßen die Sonne. Nach dem Frühstück ruft Felicitas mit ihrer Kürbisrassel die TeilnehmerInnen in die Kiva. Wir wissen, dass wir uns in die Rituelle Trance begeben werden, um weitere Elemente und Inhalte bezüglich des Maskentanzes zu erfahren. ![]() Sie trägt mich über die grünen europäischen, dann über die roten mexikanischen Berge. Vor mir sehe ich plötzlich eine Gruppe von federngeschmückten Frauen, die sich im Tanz bewegen. Sorgsam versuche ich, mir ihre Bewegungen und Schritte einzuprägen. Es ist ein komplizierter kraftvoller Tanz. Die Tänzerinnen stehen im Kreis, setzen konzentriert ihre Füße nach vorne, rechts, links… In meine Ohren tönen Gesänge und plötzlich bemerke ich, dass ich überhaupt nicht mehr müde bin. Gerne würde ich in dieser Energie noch lange verweilen, doch die Rassel endet. Die Körperhaltung die dieser Trancereise zugrunde lag und von deren Erfahrungen ich hier kurz erzählte – war die «Adena-Pipe Haltung», benannt nach einer Pfeife, die genau diese rituelle Haltung widerspiegelt. Indem wir sie mit unseren Körpern nachvollzogen und uns dabei dem Klang der Rassel hingaben, hat sie uns tief mit dem Thema der Heilung und des Wahrsagens in Kontakt gebracht. Die WiederentdeckungFelicitas Goodman gelang diese Wiederentdeckung einer jahrtausende alten schamanischen Praxis. Sie kam in ihrem Studium mit veränderten Bewusstseinszuständen in Berührung, erforschte diese bei den Pfingstgemeinschaften in Yukatan/Mexico und brachte sie auf die Universität. Hier erprobte sie vier Jahre lang mit StudentInnen durch rhythmische Anregung induzierte Trancezustände. Wissenschaftliche UntersuchungenDurch Untersuchungen an der Universität München und Wien wissen wir nun, dass ganz gravierende körperliche Veränderungen in diesen Trancen ausgelöst werden. Die Brusthaltungen![]() Später wollte ich vor allem die verborgene und ignorierte Geschichte der Frauen erkunden. Archäologische Arbeit an archäologischen Berichten war dazu notwendig und wurde vor allem auch von Marie König und Marija Gimbutas erbracht und beschrieben. Prähistorische Frauenstatuetten und Höhlenmalereien hatten mich persönlich in ihren Bann gezogen, und ich wollte das in ihnen verborgene Wissen entschlüsseln. So war die Entdeckung Dr. Goodmans Trancearbeit – die ein Eintauchen in das innere Erleben der Vergangenheit ermöglicht – das Missing Link in meiner persönlichen Forschungsarbeit. Bei dieser Forschungsreise in diese weiblichen Kräfte der Vergangenheit, die voll der Gegenwart sind, entdeckte ich in Bibliotheken, Museen und auf Reisen immer mehr Bildmaterial zu den bis vor kurzem noch unerforschten «Brusthaltungen». Je mehr sie mein Interesse weckten umso zahlreicher strömten sie mir zu. Mehr und mehr Abbildungen von Frauenstatuetten – so oft – in der immer gleichen Haltung! Sie waren einst Teil von Kulturen des Mittelmeerraumes mit Griechenland, Malta, Türkei, Zypern und Bulgarien. Aber auch im Vorderen Orient wie Israel, Palästina, Syrien und dem Iran, sowie in Afrika, Indien und Mittelamerika gab es Funde dazu. Weitere Haltungen, bei denen die Hände auf die Brüste oder zwischen die Brüste gelegt werden, sind z.B. die der Frau von Willendorf (Österreich). Sie steht und legt die Hände oben auf den Brustansatz. Die Finger sind aneinandergelegt und schauen zum Brustbein, mit drei cm Abstand. Diese Geste finden wir auch bei der «Frau von Lespugue» aus Frankreich. Mit ihren geschätzten 25.000 Jahren ist sie 2.000 Jahre jünger als die Frau von Willendorf. Eine andere weitere Variation der Brusthaltung finden wir bei der Göttin TlacolteotlSie stammt aus Mittelamerika und ist die Göttin der Liebe und – ob du es glaubst oder nicht – der Exkremente. Eine im westeuropäisch, christlich fundierten Denken kaum vorstellbare Kombination. Sie stellt sich zur Verfügung schädliche Einflüsse auf zu essen (und als vernünftige Person auch wieder auszuscheiden). Die Dame von Hacilar![]() Diese Figur strahlt ganz viel Witz, Selbstbewusstsein und Kraft aus. Sie stammt aus Hacilar in der Türkei und ist vor ca. 7.400 Jahren gestaltet worden. So wartete ich voller Spannung darauf, welche archetypischen Bilder und Heilerfahrungen in dieser ganz speziellen weiblichen Haltung verborgen lagen. Nachfolgend der Erfahrungsbericht einer der Frauen, die mittels einer Trancereise in die innewohnende Kraft dieser Haltung eintauchte. «Geburt, Tod und die lebendige Dreiheit» Da taucht die heilige Bernadette auf, sie ist weiß verhüllt… Kali kommt hinzu, sie hält in jedem Arm ein Schwert, als auch schon Salome und Judith erscheinen, mit dem Haupt des Holofernes… Ich gebe einen kurzen Ruf von mir, weil es mir zu wild wird. Sofort ist die Muttergottes beruhigend auf meiner Seite. ![]() Magische grüne Pfeile schießen nun aus meinen Augen. Meine Vagina öffnet sich und gebiert. Sie ist schön haarig und monströs. Dazwischen immer wieder das Meer, mal beruhigend, mal wild – die Mutter, die Leben gibt und Leben nimmt. Ein Lichtstrahl schießt von unten durch meinen Körper und hinauf bis zu meinem Hals. Ich fühle mich ekstatisch, sexuell und in Zeitlosigkeit geborgen.» Eine andere Teilnehmerin der oben beschriebenen Trancehaltung berichtet weiter: «Vor mir entstehen Halme, die aus sich herauswachsen. Ein Bogen läuft durch meine Kehle, daran hängen Flügel, meine im normalen Alltag unteraktive Schilddrüse wird belebt. Ich denke an ein Gedicht von Gitta Mallasz… ich tanze im Takt, ganz frei und nackt – im Pulsschlag der Welt – die alles enthält… aus meiner Kehle tönt es laut und röhrend. Mit diesem Ton entsteht ein Wald. Zwischen den Stämmen schimmert ein Lichtstrahl hindurch, der sich in Dunkelheit verwandelt. Ein älterer Mann tritt gemessenen Schrittes heraus. An seiner Kopfbedeckung erkenne ich ihn als Hohenpriester. Er leuchtet mit einer Lampe die mit Zeichen und Reliefs bedeckten Wände ab. Ich weiß ganz plötzlich, dass er die Botschaft der Großmutter Ana sucht. Sie ist es, die mir das Bild eines bunten Schurzes mit flatternden Bändern vermittelt. Ich lasse meine Energie lustvoll vom Schoß zum Sakrum und zur Kehle kreisen. Spüre mich hüpfend tanzen. Wild, kraftvoll und herausfordernd. Mein Lachen explodiert wie Popcorn.» Der Nutzen von Trance und schamanischen PraktikenDie Geschenke, die aus dieser «anderen Wirklichkeit» mitgebracht werden, wirken auf mehreren Ebenen. Gerade die Trancehaltung der «Frau von Hacilar» vermittelt Frauen das starke Spüren einer enormen Kraft, Bestimmtheit und Souveränität als Frau. Die Kraft wurde erlebt als Freiheit, Würde, Sinnlichkeit und «im Fluss sein». Andere erleben sich als feurig, wild, beherzt, sexuell und ermutigt. Wenn Hozho regiertIst alles in bester Ordnung. Gesundheit, Glück, Schönheit und Wohlbefinden erfreuen die Menschen. Das Abweichen von Hozho bringt Krankheit und Hässlichkeit in die Welt, kann aber wieder mit Hilfe der Geister und mit den entsprechenden Ritualen hergestellt werden. Auf ein weiteres Nutzungsfeld der rituellen Körperhaltungen weist Barbara Hand Clow in ihren gechannelten Botschaften hin. Sie schreibt, dass das Einnehmen von Yogahaltungen, Mudras und physischen Körperhaltungen beim Eintritt in den Bereich des kosmischen Photonenringes und der dadurch sich beschleunigenden Energie uns als Menschheit behilflich sein wird, unsere Integrität zu behalten. Abschließend ein Gedicht aus der Tradition der amerikanischen Ureinwohner, dass Felicitas D. Goodman an uns weitergegeben hat.
Der Artikel wurde in der Zeitschrift Tiamat 1998 veröffentlicht. |
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